Collection "1979psh" | Nürburgring

Der Nürburgring schlängelt sich über 20,8 km durch die waldreiche Gegend der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Adenau. 33 Links- und 40 Rechtskurven, Gefälle von 11% und Höhenunterschiede von 300 Metern machen diese Strecke weltweit einzigartig. Streckenpassagen wie Karussell, Brünnchen, Adenauer Forst, Fuchsröhre, Bergwerk oder Döttinger Höhe lassen die Herzen von Rennsportbegeisterten in der ganzen Welt höher schlagen.

Dabei ist der Ring in erster Linie gar nicht als Motorsport- sondern als Wirtschaftsförderungsprojekt geplant. Adenau gehört in den Zwanzigern nämlich zu den ärmsten Landkreisen in Deutschland und der damalige Verwaltungschefs Otto Creutz will mit dem Bau der Strecke die Region beleben. Am 27 September 1925 erfolgt die Grundsteinlegung des dreiteiligen Kurses (Nordschleife, Südschleife und Start-Ziel Schleife).
Nach knapp zweijähriger Bauzeit findet am 19 Juni 1927 das erste Autorennen auf dem Nürburgring statt, welches Rudolf Caracciola, auf einem Mercedes S (Spitzname: der weiße Elefant) gewinnen kann.
Bereits ein Jahr später, beim Großen Preis von Deutschland 1928, fordert die anspruchsvolle und unberechenbare Strecke ihre ersten Opfer, als Vinzenz Junek und Ernst von Holle im Streckenabschnitt Bergwerk tödlich verunglücken. In den darauffolgenden Jahren verlieren etliche Fahrer ihr Leben in der grünen Hölle. Die Länge und die Linienführung des Kurses machen es extrem schwer, sich den exakten Streckenverlauf und die Bremspunkte einzuprägen.
In den dreißiger Jahren erlebt der deutsche Motorsport einen enormen Aufschwung, in der sich Auto Union und Mercedes auf dem Nürburgring erbitterte Duelle liefern.
Als der Krieg beginnt, findet das Vollgas-Wettrüsten vorerst ihr Ende. Zuerst wird das Nürburgring Hotel zum Auffanglager und Lazarett umfunktioniert, dann zerstören die Alliierten Teile der Strecke.

Kaum ist der Krieg zu Ende, wird auch schon wieder mit dem Wiederaufbau der Strecke begonnen. Bereits 1947 finden schon wieder erste Rennen auf der Südschleife statt, die Nordschleife wird zwei Jahre später feierlich eröffnet.
Die Rennsportbegeisterung der Deutschen ist auch nach dem Krieg ungebrochen. 1951 gastiert die Formel 1 zum ersten Mal auf der Strecke und zum großen Preis von Europa 1954 pilgern über 400.000 Zuschauer zum Ring. Sie sehen einen Sieg von Juan Manuel Fangio im Mercedes und werden Zeugen, wie der Argentinier Onofre Marimon in seinem Maserati tödlich verunglückt. Die Strecke hat also nichts von ihrer Gefährlichkeit eingebüßt, sogar das Gegenteil ist der Fall. Durch die immer schneller werdenden Boliden der Fünfziger und Sechziger Jahre wird der Kurs immer unberechenbarer.

Während die Formel 1 Piloten 1970 auf die Barrikaden steigen und so für die nächsten zwei Jahre eine Streichung des Rings aus dem Formel 1 Rennkalender erwirken, findet im gleichen Jahr das erste 24 Stundenrennen statt. Clemens Schickentanz und Hans Joachim Stuck sind in ihrem Köpchen BMW 2002ti die Ersten, die sich in die 24-Stunden-Siegerliste eintragen dürfen.
BMW kann sich auch in den nächsten drei Ausgaben des Rennens durchsetzen.
1973 wird es kurios: In diesem Jahr geht das 24 Stundenrennen lediglich über 2x8 Stunden, da in der Nacht aus Lärmschutzgründen eine achtstündige Unterbrechung eingelegt werden muss. Die Gewinner in diesem Jahr heißen übrigens Niki Lauda und Hans Peter Joisten - wieder auf BMW.
1974 und ´75 fällt das 24 Stundenrennen der Ölkrise zum Opfer.
Während sich die Formel 1 nach dem verheerenden Feuerunfall von Niki Lauda 1976 endgültig von der Nordschleife abwendet, geht die 24 Stundenhatz gnadenlos weiter. Es folgen Jahre, in denen Porsche, Ford und BMW um den Sieg kämpfen.

Als Mitte der Achtziger Jahre die DTM die 24 Stunden für sich entdeckt, nimmt die Popularität des Rennens weiter zu.
1989 werden die kompletten 24 Stunden erstmals live im Fernsehen übertragen. Doch als mit dem Ende der alten DTM Mitte der Neunziger die DTM Fahrzeuge wieder von der Bildfläche verschwinden, sinkt das Publikumsinteresse deutlich. Zudem sind ab 1994 nur mehr seriennahe Gruppe N Fahrzeuge erlaubt, was auch die Werksteams größtenteils abschreckt. So droht das Rennen zu einem reinen Wettkampf für Amateure zu werden. In Folge sinkt das Starterfeld bis 1997 auf 133 Fahrzeuge, die Zuschauerzahl geht auf 30.000 zurück.
Erst als 1999 das noch heute gültige Reglement eingeführt wird, das neben den seriennahen Fahrzeugen auch wieder stärkere Boliden wie die Chrysler Viper, Nissan Skyline oder die Porsche 996 zulässt (O-Ton des Veranstalters: es muss alles fahren dürfen was vier Räder hat), lässt die Teilnehmer- und Zuseherzahlen wieder in die Höhe schnellen.

Heute rühmt sich das 24 Stundenrennen als die weltweit größte Motorsportveranstaltung und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Das nach wie vor bunt gemischte Feld aus Profi- und Amateurteams macht dieses Rennen einzigartig.
Doch nicht nur das: Mittlerweile haben auch andere Rennserien die Nordschleife für sich entdeckt und tragen hier regelmäßig ihre Schlachten aus. Besonders hervorzuheben ist hier die VLN Langstreckenmeisterschaft, deren zehn Saisonrennen ausschließlich am Nürburgring ausgefahren werden.

Schon allein deshalb bleibt zu hoffen, dass uns die längste und schwierigste Rennstrecke der Welt noch lange erhalten bleibt.